Maas
Allgemeine Namensherkunft Maas:
Aus einer niederdeutschen verkürzten Form von Thomas hervorgegangener Familienname. Nur ganz vereinzelt kommt eine Ableitung Mathias infrage. Gelegentlich kann es sich um Wohnstättennamen zu dem Gewässernamen Maas handeln.
Die Spuren "meiner" Familie Maas (der Name ist nicht so selten und es gibt zahlreiche Familienlinien) lassen sich bis in die Zeit des Dreißigjährigen Kriegs zurückverfolgen. Möglich machen das die Kirchenbücher des Kirchspiels Süsel, die nicht nur sehr früh mit Aufzeichnungen beginnen, sondern auch alle kriegerischen Auseinandersetzungen überstanden.
Vorgeschichte
Nach der Vertreibung der Slawen (Wenden) hatte 1143 der neue Landesherr Graf Adolf von Schaumburg den Plan gefasst, Wagrien (heute in etwa der Kreis Ostholstein) mit Bauern zu besiedeln. Friesen, Westfahlen, Hessen, Holländer, Flamen und auch Holsten von der mageren Geest ließen sich anwerben, um in Wagrien eine neue Heimat zu finden.
Im Süseler Raum haben sich die Friesen angesiedelt. Die Linie Roge, Bujendorf, Zarnekau markierte die Kulturgrenze zwischen Holländern und Friesen.
Es ist also ziemlich wahrscheinlich, dass meine Vorfahren Friesen oder Holländer waren, denn der erste schriftliche Nachweis eines Mitglieds der Familie Maas findet sich im Jahre 1633 im Kirchenbuch des Kirchspiels Süsel, eingetragen für den Ort "Budendorp", was dem heutigen Bujendorf entspricht. Im Jahre 1633 wurde am Sonntag Dom. 17 Post Trinitatisfest (= 18. September 1633) das Töchterlein Anneke von Hanß Marß, meinem 7-fachen Ur-Großvater, getauft.
Die Schreibweise des Namens „Maas“ variiert nicht nur über die Jahrhunderte, sondern teilweise sogar innerhalb einer Kirchenbucheintragung zwischen Kind und Vater/Eltern. Das muss innerhalb der Ahnenforschung nicht irritieren – eine normierte Rechtschreibung gab es nicht. So schrieb der Pastor oft, was er zu hören glaubte. Erst mit der Einführung des Personenstandrechtes in Preußen kam 1876 eine neue Genauigkeit in die Dokumentationen. Seit dieser Zeit wird unser Nachname „Maas“ geschrieben.
Der älteste Vorfahr war also Hanß Mars aus Budendorp. Da sein erstes Kind 1633 geboren wurde und man mit 25 Jahren volljährig wurde und heiraten durfte, lässt sich sein Geburtsjahr zwischen 1600 und 1610 eingrenzen.
Über vier Generationen lebten meine Vorfahren in Budendorp. Ihre Ehefrauen kamen aus dem nahen Umland wie z.B. Meinstorf bei Eutin oder Thürk bei Bosau. Erst in der fünften Generation kam es mit Claus Maas zu einem Wohnortwechsel nach Ekelsdorf. Er war auch nicht mehr Hufner wie seine Vorfahren, sondern Kätner und Arbeitsmann. Allmählich gelangten meine Vorfahren über Haffkrug, Groß- und Klein-Timmendorf in den Bereich des Kirchspiels Ratekau und später nach Lübeck.
Hier eine Übersicht der männlichen Linie:
1. Generation – Hanß Marß
2. Generation – Hanß Marß (1639)
3. Generation – Hans Maaß (1667)
4. Generation – Clas Maas (1713 – 1760)
5. Generation – Claus Maas (1746 – 1804)
6. Generation – Jacob Nicolaus Friedrich Maas (1793 – 1854)
7. Generation – Johann Heinrich Maass (1843–1892)
8. Generation – Johannes Friedrich Maass (1882 – 1940)
9. Generation – Rudolph Otto August Maas (1919 – 1983)
Die Vorfahren der Familie Maas stammten bis einschließlich der achten Generation vollständig aus dem heutigen Kreis Ostholstein. Das änderte sich erst mit der Heirat meines Großvaters Johannes Friedrich Maass (später Maas) und Martha Alwine Springer. Sie war diejenige, die nach 250 Jahren neues Blut in die bis dahin rein Ostholsteinische Abstammung brachte.
Die Familie Springer hat ihre Wurzeln in Thüringen. Genauer gesagt in Langewiesen, Kreis Schwarzburg-Sondershausen. Dort wurde 1868 Marthas Vater Karl August Hermann Springer geboren. Karl Springer war Klempner von Beruf und über Allstedt und Nordhausen nach Schwartau gekommen, wo er im Dezember 1889 Amalie Zelk heiratete. Meine Großmutter Martha Springer kam als zweite Tochter 20. Januar 1891 in Groß Parin zur Welt.
Familie Springer in Langewiesen
Unsere Familiengeschichte der Springers lässt sich bis ca. 1575 zurückverfolgen (bis zu meinem 11-fachen Urgroßvater) und ist so interessant und spannend, dass ich ihr einen eigenen Teil widmen werde. Wenn man den Forschungen von Moses C. Springer aus dem Jahr 1888 glauben schenken darf, ist unser Urahn Graf Ludwig von Schauenburg, genannt Ludwig der Springer (* 1042; † 6./8. Mai 1123 in Reinhardsbrunn) – Graf in Thüringen und Gründer der Wartburg.
Martha Springer, meine Großmutter, war aber nicht die einzige Ehefrau meine Großvaters Johannes Maas. Er war drei Mal verheiratet und hatte sechs Söhne und zwei Töchter.
Aus erster Ehe mit Maria Marzian (verstarb 1911 an den Folgen der Entbindung):
- Emma Maria Maas (geb. 1911).
Aus zweiter Ehe mit Luise Martha Alwine Springer (verstarb 1929 mit 38 Jahren):
- Hermann Wilhelm Ernst Maas (1912 – 1912),
- Herbert Otto Heinrich Maas (geb. 1913),
- Curt Erich Fritz Franz Maas (1914 – 1944),
- Herta Maria Anna Maas (geb. 1916),
- Rudolph Otto August Maas (1916 – 1983).
Aus dritter Ehe mit Ida Maria Elisabeth Möller:
- Werner Hans Willi Maas (1930 – 1970).
Aber nicht nur die drei Ehen meines Großvaters waren ungewöhnlich, sondern auch die Zeit davor. In jungen Jahren schlug Johannes zunächst einen militärischen Weg ein. Sein Foto zeigt ihn in der Uniform der kaiserlichen Schutztruppe Deutsch-Südwest-Afrika (heute Namibia).
Im ganzen Kaiserreich wurden Soldaten für die kaiserlichen Schutztruppen angeworben. Selbst die Stadt Lübeck hat in der großen Welle der Kolonialbegeisterung eigene Truppen bereitgestellt. Ob für Lübeck oder allgemein fürs Kaiserreich – Johannes war einer von ihnen, denn der Dienst versprach eine Anstellung und einen wohl recht guten Sold.
Wann und in welcher Einheit er diente, lässt sich nicht ermitteln, da nahezu alle militärischen Unterlagen von Preußen und Deutschland im Preußischen Militärarchiv 1945 durch einen Bombentreffer verbrannten.
Seine Dienstzeit muss zwischen 1900 (da wurde er 18 Jahre alt und damit diensttauglich) und 1910 (im Juni 1911 kommt in Klein Timmendorf seine Tochter zur Welt) gelegen haben. Damit wäre es also möglich, dass er an der Niederschlagung des Aufstands der Herero und Nama beteiligt war. Aber das ist Spekulation. Ich selbst habe nie jemanden über Johannes Dienstzeit berichten hören. Es gibt nur dieses eine Foto und die geschichtlichen Fakten.
Es gab das Gerücht, dass er sich in Deutsch-Südwest-Afrika mit Malaria infiziert hatte und sein Leben lang wiederkehrend Malariaanfälle hatte. Diese Belastung soll seine Gesundheit sehr belastet haben und so ließe sich sein Tod 1940 mit nur 58 Jahren erklären.
Durch diesen frühen Tod blieben ihm die Schicksalsschläge seiner Söhne im zweiten Weltkrieg erspart:
Sohn Curt fiel 1944 mit 29 Jahren bei Kämpfen an der Westfront. Sein Grab befindet sich in Ouezy, Departement Calvados in Frankreich am Chateau Canon. Sohn Herbert geriet 1944 in französische Kriegsgefangenschaft (und blieb auch nach Kriegsende dort). Und auch Sohn Rudolph, mein Vater, geriet 1944 in russische Kriegsgefangenschaft. Von da an galt er als vermisst. Erst 1949 kam er als Spätheimkehrer zurück.

Mein Vater, Rudolph Maas, wurde 1939 zum Kriegsdienst eingezogen und musste zunächst an der West-, später an der Ostfront kämpfen. 1944 geriet er zusammen mit seinem Freund Heinrich Steinwarder in russische Kriegsgefangenschaft. Heinrich erkrankte schon bald an der Ruhr und verstarb kurze Zeit später im Kriegsgefangenenlager Regkowo. Mein Vater wurde dann bis hinter den Ural, nach Swerdlowsk transportiert, wo er in einem Asbest-Bergwerk als Zwangsarbeiter arbeiten musste. Erst 1949 kam er als Spätkeimkehrer nach Deutschland zurück.
Er hatte Heinrich Steinwarder versprochen, nach seiner Frau Ella Steinwarder, geb. Bütow (meine spätere Mutter) zu sehen, falls er den Krieg überleben sollte. So suchte Rudolph sie auf und musste feststellen, dass er ihr erst jetzt 1949 die Todesnachricht überbrachte. Ihr Ehemann galt bis zu diesem Zeitpunkt als verschollen ... Die beiden verstanden sich gut, fanden zueinander und so bekam Sohn Heinrich (1945 geboren) 1953 einen neuen Vater.
Ende des Familiennamens
Ich gehöre, neben den drei weiblichen Nachkommen von Werner Maas, zur letzten Generation der Maas-Namensträgerinnen in unserer Familienlinie – zumindest für eine gewisse Zeit. Wir vier haben nach der Heirat den Nachnamen unserer Ehemänner angenommen.
Männliche Nachkommen aus der vorherigen Generation, die den Namen Maas tragen und weitergeben könnten, gibt es nicht. Und damit hat der Name „Maas“ in unserer Familie sein Ende gefunden.
Trotzdem geht natürlich die Familiengeschichte weiter, ob mit oder ohne den Namen Maas. Und auch den gibt es natürlich weiter – in den vielen Nebenlinien, die parallel zu unserer Familienlinie liefen und laufen.