Hönke

Allgemeine Namensherkunft Hönke:

Aus einer niederdeutschen Koseform von Rufnamen, die mit dem Namenwort hun gebildet sind, entstandener Familienname. Übername zu mittelniederdeutsch hön und Koseform von "Hühnchen"

Familie Hönke führt uns, ebenso wie die Boelckes, nach Ostpreußen – in die Nähe von Danzig. Wer sich die Gegend und die Orte genauer ansehen möchte, findet hier eine gute Übersichtskarte und ein Ortsregister.

Familie Hönke bewirtschaftete den landwirtschaftlichen Betrieb und Hof im Dorf Herzberg Nr. 8, Landkreis Danziger Niederung der Freien Stadt Danzig. Das Gebäude war 25 m lang und 15 m breit und hatte 2 Stockwerke. Unten wohnte die Familie von Kurt und Thekla Hönke, geb. Boehlcke mit den Kindern Hildegard, Manfred und Klaus; oben wohnte Gustav Hönke mit seiner Frau Olga, geb. Dodenhöft. Gegenüber dem Hof stand die Schmiede und der Kohlenhof, hinter dem Hof befanden sich zahlreiche Ställe für Pferde, Hühner, Milchvieh und für die Kutschen und Wagen.

Als östlichster Hof im Dorf wurde Ländereien bis Groß Zünder im Osten und im Süden bis Trutenau bewirtschaftet. Herzberg mit seinen Ländereien liegt 2,5 m unter Meeresspiegel im eingedeichten Bereich des Danziger Werders – schwerer Marschboden der Weichsel. Ohne den Deich würde das Land voll Wasser laufen. So gehörten zum Hof der Hönkes auch zahlreiche Wassermühlen und Schöpfwerke, die das Land entwässerten. 

Nach der Flucht der Familie und der Mitarbeiter wurden die Mühlen nicht mehr gewartete und Instand gesetzt. Das Land lief voll Wasser und stand bis Mitte der 50-iger Jahre voll Wasser. Eine landwirtschaftliche Nutzung ist durch die Versauerung des Bodens bis heute nur eingeschränkt möglich. 

Der Hönke-Hof erlitt in den letzten Kriegstagen einen Bombentreffer an der Westseite (Wohnzimmer). Die anderen Räume waren aber noch bewohnbar. Insbesondere die riesigen Kachelöfen in den Zimmern spendeten vielen kleinen polnischen Familien Wärme, die nach und nach in die Räume einzogen.  

Beim Besuch des Hauses 1974 lebten noch zwei polnische Familien im Hof, bei unserem letzten Besuch im November 2014 war der Dachstuhl eingebrochen und das Haus unbewohnbar geworden.


In Sachen "Ahnenforschung" hat sich in dieser Familie insbesondere Kurt Hönke hervorgetan. Er hat nahezu alle Daten recherchiert, die auf dieser Seite verwendet werden.

Die Geschehnisse der Familie, insbesondere zum Ende des 2. Weltkrieges, haben zwei Frauen aufgeschrieben, um sie für die Nachkommen zu erhalten:

  • Hildegard Giercke (Jahrgang 1928), geb. Hönke schildert 2004, in dem Jahr, in dem das erste ihrer acht Enkelkinder 17 wird, die Erlebnisse ihre Flucht 1944/45 – dem Jahr, in dem sie 17 Jahre alt wurde.
  • Thekla Hönke (Jahrgang 1896) beschreibt 1967 in Bremen, wie sie mit ihren Söhnen Manfred und Klaus die polnische Besetzung in der Danziger Niederung erlebte, nachdem die Russen weiterzogen.

Seit 1940 ging Hildegard in Rippin zur Schule, der ein Internat – genannt Schülerheim – angeschlossen war. Es war in der Nähe des kleinen polnischen Dorfes "Wompielsk", in dem ihr Vater Kurt Hönke auf dem Gut des Grafen Schimikowski wohnte und von dort aus auch die anderen Güter bewirtschaftete. Den heimischen Hof in Herzberg bewirtschaftete die tatkräftige Thekla Hönke, bei der auch die beiden Söhne (10 und 13 Jahre alt) lebten.

Die Familie war also getrennt, als sich die politische Lage zuspitzte und der Vormarsch der russischen Armee nicht mehr zu stoppen war. Dann der Befehl des Kreisleiters: "Der Kreisjägermeister Kurt Hönke führt am 19. Januar 1945 einen Treck aus Wompielsk, bestehend wahrscheinlich aus ca. 50 Pferdewagen, Richtung Westen. Alle Vorkehrungen sind zu treffen."

Auszüge aus den Aufzeichnungen von Hildegard Hönke:

... Es ist 7 Uhr und 10 Minuten am 19. Januar 1945‚ klarer Frost, - 24 Grad. Der Treck besteht aus ca. 40 Wagen, aber im Laufe des Tages schließen sich immer mehr Wagen an. Mein Vater weist keinen ab, er wird für sie sorgen. Mein Vater, was mag in seinem Kopf vorgehen? ...

... [Aus dem Originaltagbuch] 29. Januar 1945
Jetzt zu fahren, ist schrecklich. Seit zwei Tagen tobt unmenschliches Schneegestöber. Der Wind treibt den Schnee zu fast zwei Meter hohen Schanzen. Wir haben nur noch fünf Pferde. zwei ziehen den Gummiwagen, zwei den Jagdwagen mit dem drangehängten Auto. Ein Pferd haben uns die Militärmelder abgenommen, die wichtige Nachrichten an die Front zu bringen hatten. Die Pferde haben es sehr schwer, sie haben heute nur 20 km geschafft. Aber wir haben heute ein gutes Quartier. Wir sind in Bärwalda, haben ein kleines Zimmer mit einem Bett und einer Chaise ...

... Jetzt sind wir schon 1½ Wochen unterwegs und ich habe immer noch die gleichen Klamotten an. Meine ganzen Sachen habe ich ja nach Herzberg geschickt und den Rest auf den verlorenen Wagen gehabt. Ich habe auch nicht ein einziges Stück Zeug hier, keine Strümpfe mehr. Was wird das bloß noch werden! Armes Deutschland! Es ist so kalt. Neun Kinder sind schon erfroren, jedenfalls gestorben. Es ist so viel Jammer und Elend da, dass man es nicht beschreiben kann. Ich will das auch nicht. Ich versuche ständig, nicht viel über unser Schicksal zu klagen. Dabei geht es uns heute verdammt schlecht. Wir wissen nicht, wie es unseren Verwandten, unserer Familie geht (Danzig, Zoppot, Elbing, Posen). Nun aber Schluss. Für heute haben wir wenigstens ein Quartier. Vielleicht müssen wir schon morgen wieder draußen kampieren. Vor dem Fenster ziehen unaufhörlich Trecks. Es wird schon dunkel, die armen Menschen! ...

... [Aus dem Originaltagbuch] 24. Februar 1945 Dodow, bei Zarrentin
Dieses ist unser vorgeschriebenes Endquartier – Gut Dodow. Gestern kamen wir hier an ...

... [Aus dem Originaltagbuch] 01. März 1945
Vati fuhr gestern ab. Hoffentlich kommt er durch, denn die Russen stehen 30 km vor der Küste. Wenn die vorstoßen, sitzen Mutti, die Brüder und Großeltern im Sack drin. Vorgestern kam endlich das Gespräch aus Brandenburg, das wir schon vor fünf Tagen mit Hilfe von Herrn Quast angemeldet hatten. Tante Margot erzählte, dass sie vor einer Woche aus Zoppot gekommen sei, dass sie fünf Tage zu Fuß laufen musste bis Berlin. Mutti und die Jungen waren noch in Herzberg ...

... Erst ein Jahr später sah ich meine Mutter wieder und meine Brüder. Großmutter Olga und Großvater Gustav Hönke sind beim Einmarsch der Russen auf schreckliche Weise umgekommen ...

... Nachwort:
Fast sechzig Jahre sind seit dem Geschehenen vergangen. Ich werde in diesem Jahr siebenundsiebzig. Die Erlebnisse dieses geschilderten Lebensjahres sind als tiefe Eindrücke in mir zurückgeblieben. Die Erinnerungen an dieses Jahr haben mein Leben mal mehr, mal weniger begleitet. Jahrelang hatte ich Albträume, in denen ich von englischen Tieffliegern beschossen wurde, bekam Gänsehaut bei Sirenengeheul und Panik beim Hören von gutturalen russischen Männerstimmen. 

Erst in den nachfolgenden Jahren wurde mir das ganze Ausmaß dessen bewusst, wie wir, die wir an das Gute im Nationalsozialismus geglaubt hatten, getäuscht worden sind, schuldig geworden sind, ohne dass wir es wussten ...

Gut Dodo war dann doch nicht das Ende der Flucht. Es ging nach einiger Zeit weiter nach Sommerstorf. Kurt Hönke meldete Hildegard in der 11. Klasse der Oberschule in Waren an, die eigentlich eine Schule für Jungen war. Ein Pfund Butter hat dann aber entscheidend zur Aufnahme beigetragen ...

In der Klasse waren zwei weitere Mädchen und 10 Jungen – einer davon Horst-Ottmar Giercke. Aber die Geschichte wird unter "Giercke" erzählt.

"Die Polenzeit in Zoppot und Praustfelde – Sommer 1945 bis Mai 1946":

Thekla Hönke beschreibt wie sie mit ihren Söhnen Manfred und Klaus die polnische Besetzung in der Danziger Niederung erlebte, nachdem die Russen weiterzogen.

... Wir hatten Glück, in unser Pfarrhaus zog der polnische Landwirtschaftsminister, der gut deutsch sprechen konnte, mit dem ich mich auch in einer gewissen Unterwürfigkeit unterhielt, denn ich wollte ja meine Vorteile für die Meinen erzielen. Mama, die die Sachlage überhaupt noch nicht verstand, lag mir in den Ohren, ich müsste mehr Würde zeigen, denn ich wäre doch immer die Tochter eines Rittergutbesitzers. Manfred war auch hier wieder als eine zuverlässige, brauchbare Kraft angesprochen, und er wurde die rechte Hand des Landwirtschaftministers. Er bekam von ihm einen Ausweis, dass er sich auf der Straße wieder frei bewegen durfte und kein Pole ihn zur Arbeit einsetzen durfte. Nun ging er nur für diesen Kommissar klauen. Er besorgte sich einen Handwagen, auf dem er seine Beute transportierte ...

... Nach Herzberg waren wir in der warmen Jahreszeit auch zwei Mal gegangen. Das erste Mal ging ich mit Manfred. Wir waren uns noch nicht vor den Russen sicher, die überall durch die Gegend strichen und auch noch Deutsche verschleppten. Wir warfen uns dann schnell auf den Boden, um nicht gesehen zu werden. Es muss Juni 1945 gewesen sein, das Dorf Herzberg war nicht wieder zu erkennen. Die Linden der Dorfstraße waren verkohlt. Rudolf Markers Haus war dem Erdboden gleich, Penners Haus war ein Trümmerhaufen. Im Keller müssen Verwundete gelegen haben, wir fanden Verbandszeug und Strohlager. Die Kirche stand, auch Heinrichs Haus war schon vom katholischen Pfarrer notdürftig bezogen. Unser Haus hatte nach Groß Zünder hin einen Volltreffer in der Mauer. Fenster und Türen waren kaputt, die Dielen zum größten Teil aufgerissen. Nur unter der kleinen Kammer hatten wir in einer Kellergrube allerhand Koffer und Kisten verstaut, die hatten die Russen nicht gefunden und so rechneten wir noch damit, unsere Armut eines Tages etwas zu verbessern beim Ausheben dieses Schatzes. Wir sind dann auch im Herbst des Jahres noch einmal unter polnischem Schutz mit einem Kastenwagen nach Herzberg gefahren. Die Grube war auch noch geschlossen, wir luden, was wir heraus bekamen, hauptsächlich Kleider, Stiefel, Bettwäsche und auf der Heimfahrt träumte ich schon von bezogenen Schlafdecken. In Praustfelde angekommen, erklärte der polnische Polizeibeamte, dass wir die Sachen alle mit ihm abladen mussten, denn Deutsche durften nichts besitzen. Ganz belanglose Sachen hatte er uns dann doch noch gelassen, unter anderem einen warmen Mantel für mich, aber auch diese Sachen wurden uns an einem Sonntag Vormittag von Russen fort geholt. 

Um noch etwas von Herzberg zu sprechen: Der Hof war fast einplaniert, Laufgräben waren bis zum Feld gezogen, die mit Wasser gefüllt waren und in dem unsere beiden jüngsten Fohlen "Kammrad" und "Käte" schwammen. Die Scheune war verbrannt, es war kaum noch das Fundament zu finden und Manfred fragte immer wieder:

"Mutti, sind wir hier wirklich richtig auf unserem Grundstück?" ...

Die vollständigen Texte liegen uns vor. Interessierte Familienmitglieder können sie gerne bei uns anfordern.

Familienbilder Hönke

Vorfahren von Ralf Giercke in der Hönke-Linie: